Ionstorm Studios - Marco Nassenstein Medienproduktion
Schnitt und Montage
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Das vorliegende Material mußte nun geschnitten und montiert werden. Dies erfolgte an einem handelsüblichen Windows Vista PC mit der Software Magix Video Deluxe. Zuvor wurden mehrere Alternativen zu dieser Software in Betracht gezogen, die sich jedoch alle als minderwertig in Bezug auf die Anforderungen herausgestellt hatten. Der überwiegende Teil der auf dem Markt befindlichen Videoschnittsoftwarelösungen unterstützt keine parallel liegenden Videospuren, sondern kann lediglich sequentiell arbeiten. Ein Musikvideo auf sequentielle Art zu schneiden und zu montieren darf getrost als kaum lösbare Problematik angesehen werden, da jeder Schnitt, meist weit kürzer als eine Sekunde, zum Ende playbacksynchron positioniert werden müßte. Insofern kamen letztlich weniger als 10 Programme in Betracht, von sehr teuren Profilösungen, bis hin zu kostenfreien Open-Source Alternativen. Die sehr teure Profisoftware, die in einer Evaluationskopie vorlag, arbeitete in Bezug auf Audio und Videosynchonisation nicht präzise genug, was immer wieder zu (sehr frustrierenden) Verschiebungen von Gesang und Lippenbewegung führte, die sich darüberhinaus als irreparabel erwiesen. Die gestestete Open-Source Software verfügte über sehr geringe Gebrauchstauglichkeit und hätte den Aufwand des Einlernprozess weit über den Aufwand der Montage selbst gestellt. Darüberhinaus wäre vorher nicht klar geworden, ob die Synchronizität gewahrt geblieben wäre.

Die schlußendlich zur Anwendung gekommene Software von Magix (Preis derzeit ca. 60.-EUR) erwies sich als äußerst robust und zur Lösung des gestellten Problems geeignet. Abbildung 6 zeigt die Arbeitsoberfläche.

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Wie bei den meisten Videoschnittsoftwarelösungen befindet sich ein Vorschaufenster links oben und eine Spur-/Zeitdarstellung (Timeline) im großen unteren Bereich. Hierbei nimmt jede vom Dateimanager oben rechts importierte Videospur zwei Spuren der Timeline ein: eine für das Video, an Schnittpunkten mit Thumbnails (also kleinformatigen Darstellungen des jeweils aktuellen Materials) versehen, und eine für die Audiospur. Die Audiospur wird im Rahmen eines Musikvideos natürlich zugunsten des Playbacks, das in obiger Abbildung in Spur 3 zu erkennen ist, stummgeschaltet, nachdem man sie zur Synchronisation genutzt hat.

Importiert man nun ein weiteres Video in eine parallel liegende Spur, dann gibt das Programm dem zuletzt importierten Material den Vorzug im Vorschaufenster oben links gegenüber Material, das auf einer anderen Spur abgelegt ist. Dementsprechend wurde zuerst der Take von Drehtag 1 auf Spur 1 gelegt, der die komplette Band an einem drei Minuten langen Stück zeigt. Danach wurde die Audiodatei des Songs Tonight importiert, auf Spur 3 gelegt (Spur 1: Video Take 1, Spur 2: Audio Take 1) und durch Verschiebung in der horizontalen Achse per Drag and Drop zum Videomaterial synchronisiert. Dies kann sehr viel feiner und genauer stattfinden, wenn man die Darstellung der Timeline in horizontaler Richtung dehnt, so daß weniger Zeit pro Raum angezeigt werden kann. In diesem Falle haben Bewegungen mit der Maus kleine und damit genauere Auswirkungen auf das Ergebnis.

Nachdem man mit der Synchronisation zufrieden war, konnte die Audiospur der Bandperformance stummgeschaltet werden und damit lag eine dreiminütige Grundlage des gesamten Musikvideos vor, die allen anderen Aufnahmen einen Rahmen und eine zeitliche Orientierung bot.

Nachfolgend wurde für die anderen fünf verbleibenden Kameraperspektiven des Drehtags 1 in ähnlicher Form vorgegangen:

1.) Import des Videomaterials in eine freie Spur
2.) Zeitliche Synchronisation und darauf folgendes Stummschalten der Audiospur
3.) Wegschnitt von ungünstigem Material

Vor allem Punkt 3 unterscheidet sich von einer klassischen Herangehensweise an den Schnitt, in der die Vorstellung gilt, daß man wichtiges Material in den Fokus holt. Im Falle von Videoschnittsoftware ist es eher so, daß man alles Material, das unwichtig oder unzufriedenstellend ist, wegschneidet, in der Hoffnung, daß das beste Material übrig bleibt. Es finden also zwei unterschiedliche Herangehensweisen an das Quellmaterial statt, die nur im theoretischen Idealfalle eine deckungsgleiche Lösung produzieren. Dem Autor ist keine Software bekannt, die eine Wahl der jeweils gezeigten Spur in Echtzeit, gesteuert durch menschliche Intuition, erlaubt.

Immer, wenn Material von der neu hinzugefügten Spur weggeschnitten wird, wird stattdessen das jeweils zuvor importierte Material gezeigt, bzw., wenn dies an derselben Stelle ebenfalls einen Schnitt hat, der Take 1, der auf Spur 1 zu finden ist. Es gilt also die Faustregel: ist nichts zu sehen, ist zumindest die Band in der Totale (Spur 1) zu sehen.

Videoschnitt ist eine für die Hardware eines Computers anspruchsvolle Aufgabe, die es von Datenträgern erfordert, große Datenmengen einzulesen, um eine Wiedergabe in Echtzeit zu gewährleisten. Tatsächlich konnte eine störungsfreie Wiedergabe bei sechs parallelen Spuren, die lediglich die Darstellung der Band enthielten auf einem 2,4 GHz Computer nicht mehr gewährleistet werden, was sehr stark einer Evaluation des Materials durch den Schnittmeister entgegensteht. Aus diesem Grunde wurde die Darstellung der Band, aufgezeichnet an Drehtag 1, in ein fertiges und eigenständiges Video exportiert, um damit später weiterarbeiten zu können. Dieses unveröffentlichte Video enthält in etwa 121 Schnitte, die immer wieder zwischen den 6 zur Verfügung stehenden Kameraperspektiven hin- und herschalten.

Dieser schnelle und harte Schnitt ist ein grundlegendes und entscheidendes Qualitätskriterium, weil es den Sehgewohnheiten der Zuschauer entspricht. Videoeffekte für Schnitte (Transitionen) kennt man sonst nur aus amateurhaften Privatvideos oder aus Spielfilmen der späten 70er Jahre. Jede professionelle Videoproduktion der letzten 30 Jahre baut auf harte Schnitte und in Musikvideos eignen sich darüberhinaus vor allem deshalb schnelle Schnitte, weil der Informationsgehalt eines Musikers beim Spielen seines Instrumentes begrenzt ist. Bevor also der Zuschauer einen Cut langweilig finden kann, ist es ratsam, schon den nächsten zu zeigen. Zusätzlich sorgen schnelle Schnitte dafür, daß man Fehler oder Unprofessionalitäten in der Kulisse schwerer wahrnimmt (siehe dazu auch das Kapitel „Fehler“) und daß nicht perfekt ausgeleuchtete Szenenbilder eher verziehen werden.

Der Import des Drehtages 2 war demgegenüber weniger kompliziert, da er nicht auf ein Playback synchronisiert werden mußte. Die Herausforderung hier lag in erster Linie in der gleichmäßigen Verteilung der narrativen Elemente innerhalb der drei Minuten des Gesamtvideos und der Synchronisation der Ereignisse, wenn zum Schluß die Handlungsstränge zusammenlaufen. Tatsächlich fand auch hier erst die Reduktion des Quellmaterials auf seine Luminanzanteile (Schwarz-Weiss Darstellung) durch die Videoschnittsoftware statt, nicht zuletzt im Zuge der Einsicht, daß die Szenen auf der Straße alles andere als gut ausgeleuchtet waren. Auch von diesem Video (Band + Straße) wurde ein nicht veröffentlichtes Video exportiert, das in diesem Falle allerdings nur dazu diente, um an Drehtag 3 auf dem Monitor zu laufen, den der Beobachter vor sich stehen hat.

Drehtag 3 konnte dann analog zu Drehtag 2 behandelt und importiert werden. Lediglich die dreiminütige Szene, in der das Hilfsprodukt bestehend aus Band und Material des Drehtag 2 auf dem Monitor zu sehen ist, mußte erneut am Playback synchronisiert werden. Auch hier gilt: immer dann, wenn auf den Spuren der narrativen Videoelemente keine Inhalte vorlagen, wurde das Video gezeigt, das im Rahmen des Materials des Drehtags 1 montiert wurde.

Das Endprodukt wurde mehrfach als 700 MB MPG Datei exportiert und mit Probanden evaluiert. Siehe dazu das folgende Kapitel.


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© Marco Nassenstein (letztes Update: 2008-07-27 17:13:44)

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