Ionstorm Studios - Marco Nassenstein Medienproduktion
Drehtag 2 - Narrativer Teil
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Am 17.12.2007 wurde der narrative Teil in der Kölner Straße in Hückeswagen gedreht, die zuvor als gut geeignet, da gut bürgerlich identifiziert wurde. Hauptsächlicher Bestandteil dieses Drehs ist die Fortbewegung des Protagonisten an dieser Straße entlang, hin zum fiktiven und später nicht näher gezeigten Ort, an dem die Probe stattfindet, die zu Drehtag 1 bereits abgedreht wurde.
Grundlegende Merkmale dieser Dreharbeiten sind die Fortbewegung der gezeigten Person von rechts nach links und der Dreh in Schwarz-Weiss. Die Bewegungsrichtung von rechts nach links wurde mit Bedacht gewählt, da es im Film üblich ist, das Bekannte links zu positionieren und das Unbekannte rechts. Eine Bewegung findet in anderen Filmen also für gewöhnlich andersherum statt. So schreibt Schwender: „Üblicherweise erlebt man eine Bewegung, die von links nach rechts geht, als natürlicher. Ob es daran liegt, daß dies die Schreibrichtung ist, ist schwer nachzuweisen. Kulturvergleichende Untersuchungen sind diesbezüglich noch nicht angestellt worden.“

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Im vorliegenden Video wurde diese Richtung und ein Schwarz-Weiss Bild gewählt, um den Rückschritt der Freiheit in Deutschland hin (bzw. zurück) zum Überwachungs- und Denunziantenstaat zu konnotieren und zu visualisieren. Die Andeutung des dritten Reichs ist Teil der polemischen Übertreibung und spielt gezielt auf einige deutliche Parallelen hin, die im derzeitigen Vorgehen des Staates innerhalb seiner Intention „zu mehr Sicherheit“ vorzufinden sind. Exemplarisch sei dabei auf den Einsatz der Bundeswehr im Inland zum G8 Gipfel 2007, die diskutierte Abschaffung der Unschuldsvermutung und die Anwendung von Informationen, die aus Folter gewonnen wurden, hingewiesen, wie auch die gezielte Schaffung eines eindimensionalen Feindbildes (Heute: Terroristen, damals: Kommunisten), sowie die Erstellung von Straftäterdatenbanken.

Um letzteres im Video kritisch darstellen zu können, wurde eine Requisite erstellt, die die Querverbindung noch deutlicher werden lassen soll. Im dritten Reich wurden Juden dazu gezwungen, eine Armbinde zu tragen, auf der ein sechszackiger Davidsstern aufgenäht und in Verballhornung der hebräischen Schriftart „Jude“ zu lesen war. Die Requisite im Film (siehe Abbildung 3) ist ein sehr ähnlicher Stern, allerdings mit nur 5 Zacken, von der eine nach unten zeigt (das Pentagramm ist seit jeher Symbolismus für den Heavy Metal). Die Aufschrift ist in diesem Fall das englische Wort „Rude“, was dem „Jude“ sehr ähnlich sieht, aber soviel bedeutet wie „Unanständig“.

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Der Protagonist wird gegen seinen Willen von gesichtslosen Regierungsvertretern, dargestellt als anzug- und sonnenbrillentragende Personen, dazu gezwungen, diesen Stern zu tragen, nachdem sie erfolglos seinen Gitarrenkoffer durchsucht und vorher sogar eine weggeworfene Zigarette sichergestellt haben.

Die Tatsache, daß der Protagonist zu Anfang des Videos eine Zigarette anzündet, hat ebenfalls eine metaphorische Bedeutung: der Staat erlässt momentan deutlich mehr Verbote. Verbote beschneiden jedoch stets die Freiheit. Das Rauchverbot, das 2008 umgesetzt wird, ist als exemplarisch für alle anderen Verbote zu verstehen. Im Video bietet das Rauchen den Antagonisten bereits genug Grund, den Zigarettenstummel sicherzustellen (möglicherweise zur Erstellung eines genetischen Fingerabdrucks) und den Gitarrenkoffer zu durchsuchen. Nachdem dies erfolglos ist, wird der Rude-Stern als Sinnbild für Rasterfahnung und „Straftäter“datenbanken aufgezwungen.

Die schwarz-weisse Farbgebung dient weiterhin dazu, eine deutliche Unterscheidung zwischen Bandszenen (in warmen Farbtönen gehalten), Beobachterszenen (in kalten Farbtönen gehalten, siehe nächstes Kapitel) und narrativen Elementen zu erzeugen.

Die benötigten Szenen wurden in relativ kurzer Zeit abgedreht und mußten lediglich unterbrochen werden, wenn Autos oder Passanten durch den Drehort mußten.

Zum Ende des Drehtags lagen mehrere Takes jeder Einstellung vor, die weder eine besondere chronologische Gewichtung enthielten, noch jeweils sehr lang waren.


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© Marco Nassenstein (letztes Update: 2010-11-27 13:05:25)

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