Ionstorm Studios - Marco Nassenstein Medienproduktion
Tips zur Soundeinstellung am TD12
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Der gemeine Drummer

Der gemeine Drummer ist kein Tontechniker. In seiner Welt gibt es Beat, Metrum, Timing, Remo oder Evans Felle, 14 Zoll Snares und Bassdrumdämpfung mit Muffels. Begriffe wie parametrischer Equalizer, Kompressor, Gate und Reverb sind dem gemeinen Drummer nicht geläufig. Er hat zwar meist eine recht gute Vorstellung von einem ordentlichen Drumsound, doch wie und mit welchen Mitteln dieser zu erreichen ist, stellt viele Drummer vor große Probleme.

Mit fortschreitender technischer Entwicklung ist die Problematik allerdings nicht geringer, sondern - wenn man denn so will - sogar noch größer geworden. Im TD 12 bietet Roland eine große Palette an Ausgangssounds, von denen die meisten über die so genannte Vdrum Technologie in Punkto Kesselgröße, Fellbespannung, Dämpfung und Stimmung verändert werden können. Neu ist, dass man zusätzlich für alle Sounds einzeln einen Kompressor und einen Equalizer zur Verfügung hat. Doch diese beiden wollen ordentlich eingestellt werden. Denn nur so erhält man im Finale den Sound, den man sich wünscht.

Ein wenig traurig ist, dass von den vielen Sounds bei genauer Betrachtung zur Realisierung eines natürlichen Drumsounds nur eine handvoll übrig bleiben. Die restlichen Sounds mögen interessant für extraordinäre Musikprojekte sein, doch für den gemeinen Drummer scheinen sie im Wesentlichen ungeeignet. Hinzu kommt dann auch noch der Umstand, dass die übrig gebliebenen Sound, in der Regel im Ausgangszustand noch nicht einsetzbar sind. Erst nach einigen mühevollen Stunden des Einstellens sämticher zur Verfügung stehender Parameter wird das Ohr des gemeinen Drummers schließlich Gefallen an dem eingestellten Sound finden. Vorher allerdings nicht.

Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass ein Drumsound gefunden werden soll, der ein hochwertiges Naturschlagzeug nachbildet. Dazu sollte man sich zu allererst von der Vorstellung verabschieden, dass dies in fünf Minuten erledigt ist. Ebenso sollte man zunächst einmal alle voreingestellten Presetkits auf dem TD 12 (zumindest aus dem Gedächtnis) löschen.

Aller Anfang ist schwer

Werden Sie sich zu allererst darüber klar, was Sie erreichen wollen. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Legen Sie sich ein Musikstück in greifbare Nähe, in dem der Drumsound verwendet wird, den Sie erreichen wollen. Bedenken Sie vor allem auch folgendes: Ein Mix, der ein Soloschlagzeug gut klingen lässt, bedeutet noch lange nicht, dass dieser Mix auch für die Einbettung des Drumsounds in ein Musikstück geeignet ist. In aller Regel wird der Drumsound viel zu präsent gemischt. In einem Musikstück sollte der Drumsound aber im Allgemeinen ausreichend zurückhaltend gewählt werden. Das ist schwer und dies erfordert viel Übung. Doch ohne Fleiß keinen Preis und probieren geht über studieren.

Eine andere wichtige und nicht zu unterschätzende Problematik ist die der Abhöranlage. Um einen Drumsound wirklich gut beurteilen zu können, benötigen Sie eine sehr gute Musikanlage, die in aller Regel bei dem gemeinen Drummer aber nicht vorzufinden ist. Ein Kompromiss kann darüber erreicht werden, dass man zwei unterschiedliche Abhöranlagen verwendet. Auf der einen Seite empfiehlt sich die Anwendung eines hochwertigen Kopfhörers, den man für relativ geringes Geld erwerben kann. Mit dem Kopfhörer hören Sie viele Details sehr deutlich, die auf einer mittelmäßigen Musikanlage ansonsten untergehen würden. Dafür können Sie einige Aspekte auf dem Kopfhörer nur sehr schlecht beurteilen. Hören Sie daher immer auf einer Lautsprecheranlage gegen. Gerade das Volumen und der Klang der Bassdrum wird mit einem Kopfhörer oft falsch eingeschätzt.

Gönnen Sie sich eine Pause

Wie oft habe ich das schon erlebt? Am Abend des einen Tages bin ich mir sicher: Jetzt hab ich den ultimativen Drumsound gefunden. Am Morgen des nächsten Tages bin ich zu Tode betrübt und wundere mich, was ich da für einen Unfug eingestellt habe. Unterschätzen Sie nicht, dass sich das menschliche Ohr mit der Zeit an Frequenzgänge anpasst. Hören Sie längere Zeit Musik mit hohen Frequenzanteilen, so werden Sie die hohen Frequenzen nach einer Zeit nur noch abgeschwächt wahrnehmen. Gönnen Sie sich daher öfter mal eine Pause. Hören Sie immer wieder in Ihr Vergleichsmusikstück, um immer wieder auf den richtigen Pfad zurück zu finden. Dieses Referenzhören ist ungemein wichtig. Sonst entwickelt sich Ihr Sound von ganz alleine in eine andere Richtung, als Sie ursprünglich vorgehabt haben.

Zusammenfassung der wichtigsten Grundvoraussetzungen:

• Referenzsound / Referenzmusikstück zur Seite legen
• Kopfhörer und Musikanlage zum Abhören verwenden
• Öfter mal eine Pause machen und Referenzhören

Wichtige Tips zur Auswahl der Grundsounds

Machen Sie sich klar, was Sie erreichen wollen. Es kann sein, dass ein bestimmter Snaresound für einzelne Schläge interessant klingt, dafür aber für Wirbel oder viele schnelle Schläge nacheinander völlig ungeeignet ist. Testen Sie jeden Sound auf dieses Kriterium. Das allerwichtigste ist allerdings, dass Sie unbedingt bevor Sie die Grundsounds auswählen, ALLE Effekte ausschalten. Sämtliche Equalizerfunktionen, Kompressoren und Halleffekte sollten deaktiviert werden, sonst können Sie den Grundsound nicht objektiv vergleichen.

Achten Sie bei der Zusammenstellung der Sounds für die unterschiedlichen Instrumente darauf, dass sie ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Die Melodie der Toms in Verbindung mit den Einstellungen für Snare und Bassdrum, sollte ein harmonisches Ganzes ergeben. Passen Sie die Tonhöhen an! Bedämpfen Sie die Trommeln nicht zu stark. Ein bedämpfter Sound mag sich einzeln besser anhören, im Gesamten klingt ein ungedämpfter Sound aber natürlicher und lebhafter. Testen Sie diverse Equalizereinstellungen für die einzelnen Instrumente. Jede Einstellung kann und sollte unterschiedlich sein. Versuchen Sie den Equalizer sparsam zu verwenden und eher störende Frequenzen zu bedämpfen, anstatt den Gesamtsound komplett zu verzerren und bestimmte Frequenzanteile überzubetonen.

Maschinengewehr-Sound bei den Toms

Während die Becken und die Bassdrum meist recht leicht einzustellen sind, gestaltet sich die Einstellung der Tomsounds, sowie des Snaresounds bedeutend schwieriger. Einige Tipps für die Einstellungen bei den Toms:
Finden Sie einen gescheiten Kompromiss bei der Einstellung der Höhen für die Toms. Viele Höhen führen dazu, dass sich die einzelne Trommel gut durchsetzt. Dafür klingen viele schnelle Schläge schnell wie ein Maschinengewehr. Die Toms tendenziell lieber etwas dumpfer mischen, als etwas zu hell. Lassen Sie die Toms ruhig unbedämpft. So gewinnen Sie zusätzlich Natürlichkeit. Kontrollieren Sie gegebenenfalls die Triggereinstellungen. Auch durch eine falsche Einstellung der Triggereingänge, kann eine gewisse Unnatürlichkeit verursacht werden.

Sorgenkind Snare

Die Snare ist wohl der schwierigste Part an einem guten Edrumsound, zumal nur wenige einzelne Sounds aus der Angebotspalette des TD 12 übrig bleiben. Achten Sie bei der Einstellung der Parameter für Kesseltiefe und Stimmung darauf, dass Sie Kombinationen wählen, die auch im richtigen Leben Sinn machen würden. Eine 20 Zoll Snare, die über brettharte Fellspannung verfügt ist sicherlich nicht sinnvoll eingestellt! Achten Sie insbesondere bei der Snare darauf, dass Sie ihr mit der Equalizereinstellung nicht das notwendige Volumen rauben. Stellen Sie die Snare nicht zu höhenlastig ein. Versuchen Sie Ihr Glück außerdem mit unterschiedlichen Kompressoreinstellungen. Gerade bei der Snare erhalten Sie den typisch knalligen Sound erst über einen optimal eingestellten Kompressor.

Vorbeugung gegen Frust

Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie die richtige Einstellung auf Anhieb nicht finden. Dafür braucht es viel Erfahrung. Erkundigen Sie sich auch im Internet über Setups von anderen Drummern und vergleichen Sie immer wieder Ihren Sound mit anderen Drumsounds. Machen Sie ab und zu mal einen richtigen Break. Speichern Sie den momentanen Stand ab und beginnen Sie mit bewusst anders gewählten Grundsounds und vergleichen Sie beide Ergebnisse. Adaptieren Sie anschließend das von beiden Setups, was Ihnen im direkten Vergleich am besten gefällt.

Abschlussbemerkung

Eigentlich ist es unverständlich, dass dem gemeinen Drummer soviel zugemutet wird. Auch hier gibt es bei Edrums noch großes Verbesserungspotential! Eigentlich sollte es doch so sein, dass es eine gewisse Palette von gescheiten Standardkits gibt, aus denen der Drummer auswählen kann, ohne sich Gedanken über Equalizer und Kompressoreinstellungen machen zu müssen. Dass dem fortgeschrittenen Benutzer eines Edrums die zahlreichen Einstellmöglichkeiten gegeben werden, ist sicherlich löblich. Nur sollte diese Flut von Einstellparametern eher im Verborgenen zu finden sein.

© Jan Häger (letztes Update: 2007-10-14 18:34:06)

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