Ionstorm Studios - Marco Nassenstein Medienproduktion
Edrums vs Naturschlagzeug
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Historisches

Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts hatte sich aufgrund der sich immer rasanter entwickelnden Elektrobranche eine merkwürdige Euphorie breit gemacht. Es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis alles und jeder durch ein elektronisches Pendant ersetzt werden könnte und würde. Heute sind wir bereits etwas schlauer. Die meisten Menschen haben erkannt, weniger Elektronik macht ein Gerät nicht unbedingt schlechter und mehr Elektronik macht ein Gerät nicht unbedingt besser. Tatsächlich kommt es stark auf den jeweiligen Anwendungsfall an.

Vor dem historischen Hintergrund hat die Entwicklung des elektronischen Schlagzeugs (Edrums) keine Ausnahme gemacht. Anfänglich glaubte man, dass Edrums die Naturschlagzeuge schon bald verdrängen würden, doch weit gefehlt. Bis heute haben sich Edrums immer noch nicht in der Drummerszene etabliert, obgleich sich die Technik sehr stark verbessert hat. Ein ganz wesentlicher Grund dafür liegt in dem mangelnden Wissen über den aktuellen Stand der Technik und in einer falschen Vorstellung über ein elektronisches Schlagzeug.

Quo vadis Edrum? - Wohin geht die Reise?

Man darf sicherlich annehmen, dass aus dem elektronischen Schlagzeug mittelfristig ein neuartiges Perkussionsinstrument hervorgehen wird. Dieses neue Instrument wird sich des überflüssigen Balastes entledigt haben, das bloße elektrische Pendant zum Naturschlagzeug sein zu müssen. Es wird ein eingeständigs Instrument sein, das ebenso als Musikinstrument akzeptiert wird, wie eine E-Gitarre neben einer akkustischen Gitarre. Das Naturschlagzeug verdrängen wird das heutige und das zukünftige Edrum aber sicher nicht. Vielmehr ist davon auszugehen, dass es ein Nebeneinander geben wird. Beide Instrumente werden jeweils dort eingesetzt, wo sie musikalisch sinnvoll sind.

Stand der Technik

Stand der Technik ist, dass ein hochwertiges elektronisches Schlagzeug ein Naturschlagzeug in fundamentalen Gesichtspunkten ausreichend gut nachbilden kann. Fakt ist aber auch, dass Edrums bestimmte Facetten an einem Naturschlagzeug eindeutig nicht nachbilden können und es vielleicht auch nie können werden. Hier stellt sich jedoch die grundsätzliche Frage, ob das überhaupt gewollt ist. Ein Schlagzeug im herkömmlichen Sinne ist ein akustisches Instrument, das von seinem Wesen her bestimmte natürliche Klänge von sich gibt, die beim Anschlagen auf die jeweilige Spielfläche entstehen. Einige dieser Klänge sind beabsichtigt und erwünscht, andere sind im Grunde sogar unerwünscht. Fakt ist, dass in einem Drumsound, wie man ihn aus der modernen Unterhaltungsmusik kennt, meist nur noch ein Teil vom ursprünglichen Klang und vom Dynamikverhalten eines natürlichen Schlagzeugs enthalten ist. Das rührt daher, dass unzählige Effekte und Tools zur Klangveränderung in jedem guten Studio schon lange Standard und daher unverzichtbar sind.

Ein vorsichtiges Fazit

Edrums beinhalten in der Regel Sounds, die in einem sehr gut ausgestatteten Studio aufgenommen und bereits bearbeitet worden sind. Wen wundert es da, dass Sounds, die aus einem Edrum kommen, anders – um es einmal neutral zu formulieren – als Klänge von einem Naturschlagzeug klingen. Edrums sind vom Wesen her elektronisch, was bestimmte Vorteile, aber auch bestimmte Nachteile mit sich bringt. Wesentlicher Vorteil ist, dass man zur Klangerzeugung auf moderne Elektronik zurückgreifen kann, die sich in der Keyboard- und Synthesizerszene bereits unstrittig etabliert hat. Niemand zweifelt an, dass sich somit ein riesiges musikalisches Potential auftut. Wesentlicher Nachteil ist, dass auf einem Edrum nicht genauso gespielt werden kann, wie auf einem Naturschlagzeug, da die angewandte Sensortechnik nur einen kleinen Teil der Informationen aufzeichnet und verarbeitet, die bei einem Spiel am richtigen Schlagzeug durch das Instrument selbst in Klänge umgesetzt werden. Bei einem Edrum handelt es sich ganz einfach um ein andersartiges Instrument, das bestimmte Vor- und bestimmte Nachteile gegenüber einem Naturschlagzeug hat. Nicht mehr – aber auch nicht weniger. Es tun sich neue Türen auf, und andere werden für immer verschlossen bleiben. Die Möglichkeiten auf den Drumsound auch im Nachhinein bei der Postproduction von Aufnahmen Einfluss nehmen zu können, stellen dabei einen immensen Vorteil dar, weshalb Edrums, entgegen dem Wissen vieler Musikhörer, schon lange in der Studioszene vorteilhaft eingesetzt werden.

© Jan Häger (letztes Update: 2008-01-05 18:23:56)

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